Bibellesungen gibt es in den Kirchen kaum noch zu hören. Das Heilige Buch, verschmutzt vom Dreck der Tauben (Foto: Lisa Rokahr)

Wo die Uhren nicht anders gehen – sondern gar nicht

Stillleben

Von Lisa Rokahr

Die Zeit steht still in Siebenbürgen. Die Uhren der mächtigen Kirchenburgen zeigen eine Zeit, die hinter den Mauern gefangen ist. Im Innenhof fegt eine alte Frau mit einem Reisigbesen das Laub von einem Weg, über den längst niemand mehr geht. Ein großer Schlüssel öffnet das Kirchenportal. Innen ist es so eisig, dass die Geschichte festgefroren zu sein scheint. Kirchenbänke warten auf Sonntagsbesuch. Tauben gurren im hölzernen Altarbild und sprenkeln die Bibel auf der Mensa. Vom Taufbecken hängt ein Parament für ein Kind, das nie geboren wird. Alles wartet. Darauf, dass die Uhren wieder anfangen zu ticken.

In Siebenbürgen stehen die Uhren still. Hektik liegt den Menschen dort fern, sie leben von einem Tag zum anderen. (Foto: Katrin Langhans)
Die Uhren an den Kirchenburgen haben längst aufgehört zu schlagen, und mit ihnen ist die Zeit im Inneren stehengeblieben. (Foto: Katrin Langhans)
Alles ist für den Gottesdienst bereit, die Paramente hängen, Gesangsbücher liegen bereit. Doch die Sonntagsbesucher bleiben fern. (Foto: Stefan Junger)
Die prächtigen Hochaltare bleiben in den kalten Kirchen zurück. (Foto: Lisa Rokahr)
Ob zwölf Uhr mittags oder abends, 18 Uhr – die Uhr auf der Kirchenburg tickt nicht mehr. (Foto: Stefan Junger)