Eine Reise mit dem Pferdewagen

Von Dennis Yücel

Pferdewägen, ein- oder zweispännig gezogen, sind ein häufiges Bild im ländlichen Rumänien. Wer etwas Zeit hat, sollte unbedingt auf einem mitfahren. In der Nähe von Reichesdorf bin ich mal bei einem Bauern aufgestiegen, jedenfalls vermutete ich, dass er Bauer war, nachdem er abwechselnd auf sich und ein Feld gezeigt hat, während wir in nie gekannter Langsamkeit die Talstraße entlang holperten. Vielleicht habe ich sogar herausgefunden, dass er Mais anbaute: „Mamaliga?“, habe ich ihn nämlich gefragt, was Polenta auf Rumänisch bedeutet, und er hat gelacht und genickt. Dann zeigte er wieder auf sich und sagte „Emil“. Und sogar noch: „Emiliano Zapata!“

Pferdewagen

Pferdekarren sind noch immer eines der gängigsten Verkehrsmittel in Rumänien auf dem Landy
(Foto: Dennis Yücel)

Ich konnte leider nicht ermitteln, woher Emil den mexikanischen Revolutionshelden kannte, aber auf jeden Fall hatte Emil einen kaputten Pferdepflug auf seinem Wagen geladen, den er offenbar von seinem Heimatdorf Biertan ins wenige Kilometer entfernte Reichesdorf zur Reparatur brachte.

Nach ein paar Minuten drückte Emil mir die Zügel dann selbst in die Hand. Erstaunlich, mit welcher Präzision sich so ein Pferdewagen lenken lässt! Ein kleiner Zupfer an einem Zügelende, schon wenden sich die beiden Pferdeköpfe synchron in die gewünschte Richtung. Wahnsinn.

„Romania Problem“, sagte Emil dann irgendwann und rieb Daumen und Zeigefinger aneinander: Kein Geld. „Nu tractor!“ – „Cal bella“, sagte ich, in der Hoffnung er würde verstehen, dass ich seine Pferde auch ganz toll finde. Dann wurde es wieder still zwischen Emil und mir. So still, wie es vielleicht nur in Rumänien sein kann. Nur ab und zu ließen uns die Pferde ihre Winde donnernd ins Gesicht fahren.