Schwarzes Land

Von Lisa Rokahr

Die Erde brennt in Siebenbürgen (Foto: Stefanie Maeck)

Die Erde brennt in Siebenbürgen (Foto: Stefanie Maeck)

Von weitem sieht es aus wie Nebel, der zwischen Hügeln und Wäldern hängt. Aber es ist Rauch. Die Erde brennt. Blauer Dunst wabert im Frühling über Siebenbürgen, wenn die Bauern vor dem Pflügen welke Wiesen und Felder abfackeln. Es riecht nach Rauch, überall. Die Luft schmeckt nach Kohle. Nachts züngeln Flammen wie ein leuchtendes Lasso die Hänge hinauf. Tagsüber lodern sie am Straßenrand. Manchmal dämmt ein Bauer mit Hacke und Spaten das Feuer ein. Nicht weit davon fegt eine alte Frau Laub in die Glut. Nach der Brandrodung ist alles schwarz. Schwarze Äcker, schwarze Berge, schwarzes Land. Bald wird alles wieder grün.

Eine Begegnung im Feuer

Von Nancy Waldmann

Eine Feldmaus rettet sich vor dem Feuer auf die Straße (Foto: Nancy Waldmann)

Eine Feldmaus rettet sich vor dem Feuer auf die Straße (Foto: Nancy Waldmann)

Die brennende Luft trocknete meine Lippen aus, so dass sie aufrissen und schmerzten. Da traf ich am Straßenrand eine Feldmaus, der es weitaus schlimmer erging als mir. Im Angesicht der kokelnden Äcker hatte sie sich auf die Landstraße geflüchtet und rührte sich von dort nicht mehr weg. Eine Weile schauten die Maus und ich in die gleiche Richtung auf das wallende Feuer, das tiefes Schwarz hinterließ – fassungslos und irgendwie hingerissen. Es war, als hätten wir gemeinsam Läuterung erfahren.