Ein Schnaps auf zwei Bären
Von Katrin Langhans
Fotografieren ist verboten, aber sobald die Mitarbeiter um die Ecke biegen, drücken wir auf den Auslöser. Um die Bären zu fotografieren, die illegal auf dem Hinterhof einer Bäckerei gehalten werden. Journalisten haben hier keinen Zutritt. Die Bären dürfen wir nur sehen, weil wir uns als Touristen ausgeben.
Erst knipsen wir verhalten Bilder aus unmöglichen Perspektiven, die Kamera vor dem Bauch, dann mit etwas mehr Adrenalin im Blut durch den Sucher unserer Kameras. Die Aufgaben klar verteilt. Einer hält Wache und stößt ein entzücktes „Oh, wie süß!“ aus, wenn sich jemand nähert, der andere schießt Bilder. Nach dem ungemütlichen Fotoshooting, fühle ich mich zum ersten Mal in Rumänien danach, einen Schnaps zu trinken.
Wir fahren ins Dorf und treffen in der Dorfkneipe Bokor Lajos, einen Ungaren. Er empfiehlt uns eine Flasche, in der braune Flüssigkeit schwimmt. Drei Schnaps bitte, sage ich zu der Barfrau. Sie schenkt drei Gläser ein, die so groß sind wie meine Faust. Wir prosten uns zu und ziehen den Schnaps in einem kurzen Zug runter. Mit einem Klick schießen die zwei Knopfaugen auf dem flauschigen Bärengesicht wieder in meinen Kopf. Und brennen sich fest, wie der Schnaps in meiner Kehle.



