Der Anti-Schnaps-Moment

Von Barbara Opitz

Foto: Barbara Opiz

Foto: Barbara Opiz

Am Abend zuvor, in der Dorfkneipe, hatten wir extra nichts getrunken. Uns schauderte bei dem Gedanken am nächsten Morgen Mengen Schnaps – den harten, selbstgebrannten – hinunter zu kippen. Einen frisch angefertigten Kupferkessel, zum Schnapsbrennen, hatten wir bei den Kalderash, den Kesselschmieden, bestellt. Der Volksstamm der Roma ist bekannt für ihr feines Handwerk. Als Besiegelung des Geschäfts, so ist es zu lesen, gibt es einen gemeinschaftlichen Schnapsgenuss. Bei den Zigeunern wird Gastfreundschaft groß geschrieben. Das Angebot ablehnen also unmöglich. Mit reichlich Weißbrot und gefühlten Tonnen fettigem Käse im Magen machten wir uns in der Früh auf. Der Kessel wurde ein Prachtexemplar. Bauchig und glänzend. 40 Liter Maische passen hinein. Als die Lei von einer Hand in die andere wechselten und wir schon dachten, dem Trinkgelage entkommen zu sein, hielt uns die Clan-Mutter in wild gemustertem Rock an: „Wollt ihr nichts trinken?“, fragte sie freundlich. Ihre Goldzähne blitzten. „Ja gern“, flöteten wir. Ein paar Minuten später erschien sie mit beladenem Tablett – darauf ein Teeservice mit Rosenmuster. Die Roma-Sippe, bei der wir den Kessel kauften, gehört der Pfingstgemeinde an – und dort herrscht Alkoholverbot. Erfrischt von gut einem Liter Früchtetee zogen wir von dannen. Den Schnaps brennen wir uns jetzt selbst. Und trinken werden wir ihn vorzugsweise erst am Abend.