Sächsische Traditionen leben weiter – aber hinter dieser Maske verbirgt sich ein Rumäne (Foto: Stefan Junger)

Sächsische Traditionen leben weiter – aber hinter dieser Maske verbirgt sich ein Rumäne (Foto: Stefan Junger)

Sächsische Identität

„Wir versuchen die deutschen Tugenden zu erfüllen“

In der Statistik ist Siebenbürger Sachse, wer das entsprechende Kästchen ankreuzt. Aber ab wann ist man eigentlich Sachse und kann man es noch werden? Ein Gespräch über siebenbürger-sächsische Identität.

Das Interview führte Undine Zimmer

Frau Ziegler, wer ist heute ein Siebenbürger Sachse?

Sachse ist derjenige, der hier geboren ist und die deutsche Sprache spricht.  Unsere Vorfahren sind hier angesiedelt worden, um das Land zu verteidigen und Städte aufzubauen. Um zu den Siebenbürger Sachsen zu gehören, muss man sich heute noch zur Geschichte bekennen. Man muss sich mit den Sachsen aus kulturellen, traditionellen und gegenwärtigen Gesichtspunkten identifizieren können.

Woran erkennt man einen typischen Sachsen?

Uns werden im Allgemeinen von den Rumänen die deutschen Tugenden zugeschrieben: Fleiß, Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit. Die versuchen wir auch zu erfüllen. Was uns sehr verbindet ist unser Glaube. Wir sind alle evangelischen Glaubens nach Luther. Als man unter dem Kommunismus versuchte die Sachsen zu zerstreuen, war unsere Kirche der einzige Mittelpunkt, wo man sich sammeln und noch ziemlich frei sprechen durfte.

Was hat sich in Ihrem Alltag verändert?

Vor allem die Sprache. Wir haben uns früher nicht auf Rumänisch unterhalten können. Wir wussten gerade mal so viel, dass wir einkaufen gehen konnten. Hier, mitten im Zentrum von Hermannstadt, auf der Heltauer Gasse gingen auf der rechten Seite die Sachsen, auf der linken Seite die Rumänen. Das war noch bis in die 1960er Jahre hinein so.

Heiraten die meisten Sachsen immer noch untereinander?

Jetzt nicht mehr. Es gibt viele rumänisch-deutsche Mischehen. Die Kinder gelten weiter als Siebenbürger Sachsen, wenn sie sich dazu bekennen, zur Sprache, zur Kirche und zur Kultur. Die nicht-deutschen Eheleute dürfen auch Mitglied im Forum werden, aber sie haben kein Wahlrecht und dürfen nicht in den Vorstand gewählt werden.

Welches Verhältnis haben die Rumänen zu den Sachsen heute?

Früher blieb jede Nation unter sich. Die Deutschen, genannt die Siebenbürger Sachsen, die Ungarn und die Rumänen. Mit eigenen Vereinen, Organisationen und Strukturen. Es war ein friedliches Nebeneinander. Jetzt kommen viele Rumänen zu unseren Veranstaltungen. Sie betonen, dass sie zwischen Sachsen aufgewachsen sind. Deshalb verehren sie sie. In Siebenbürgen haben die Rumänen – auch was praktische Dinge wie den Hausbau angeht – sehr viel von den Sachsen gelernt.

Gibt es in zehn Jahren noch Siebenbürger Sachsen?

Ich glaube, dass wir uns noch ziemlich lange halten können. In den Städten ist es leichter als auf den Dörfern. Aber es gibt an jedem Ort noch aktive Leute, die durch ihre Persönlichkeit bewirken, dass unsere Kultur in der alten Art und Weise weiterlebt.

Zur Person

Sigrid Ziegler, 69, arbeitet seit 22 Jahren für das “Demokratische Forum der Deutschen aus Hermannstadt. Das Forum ist ein Ortsverband des Demokratischen Forums der Deutschen aus Rumänien (DFDH), das die Interessen der deutsprachigen Minderheit vertritt und ihre Kultur bewahrt.

Interner Link:

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